Online-Seminar: Das notarielle Nachlassverzeichnis – Grundlagen und haftungssichere Praxis (07.04.2027)

Veranstalter:
Deutscher Notarverlag
Fachgebiet:
Notariat
Onlineseminar
ab 119,00 €

Kursbeschreibung

Online-Seminar: Das notarielle Nachlassverzeichnis – Grundlagen und haftungssichere Praxis

 Das notarielle Nachlassverzeichnis nach § 2314 Abs. 1 Satz 3 BGB ist der „Goldstandard" des Pflichtteilsrechts – und zugleich eine der anspruchsvollsten und haftungsträchtigsten Aufgaben im Notariat. Die Rechtsprechung hat in den vergangenen Jahren die Anforderungen an die eigenständige Ermittlungspflicht des Notars kontinuierlich verschärft: Der Notar muss den Nachlassbestand selbst und eigenständig ermitteln, darf sich nicht auf eine bloße Plausibilitätsprüfung der Erbenangaben beschränken und hat diejenigen Nachforschungen anzustellen, die ein objektiver Dritter in der Lage des Pflichtteilsberechtigten für erforderlich halten würde.

Zugleich wächst der verfahrensrechtliche Druck: Verweigert der Notar die Aufnahme des Verzeichnisses, sind an die Annahme eines „ausreichenden Grundes" i.S.d. § 15 Abs. 1 Satz 1 BNotO hohe Anforderungen zu stellen – selbst verbleibende Unklarheiten nach durchgeführten Ermittlungen berechtigen nicht zur Verweigerung der Amtstätigkeit (BGH, Beschl. v. 19.6.2024 – IV ZB 13/23). Auf der anderen Seite ist aus der Praxis der Gerichte bekannt, dass es sich mitunter „äußerst schwierig gestaltet, einen Notar zu finden, der bereit ist, ein Nachlassverzeichnis zu erstellen" – ein Spannungsfeld zwischen Urkundsgewährungspflicht, Ermittlungsaufwand und wirtschaftlicher Tragfähigkeit (§ 115 GNotKG, Nr. 23500 KV).

Das Seminar bietet Ihnen einen strukturierten Weg durch dieses Spannungsfeld und vermittelt das praktische Handwerkszeug für eine effiziente und zugleich haftungssichere Verzeichnisaufnahme.

 Sie erhalten einen systematischen Überblick über die materiell-rechtlichen Grundlagen des Pflichtteils- und Pflichtteilsergänzungsrechts, dargestellt an typischen Fallkonstellationen – von gemeinschaftlichen Konten über ehebedingte Zuwendungen bis hin zu Auslandsvermögen. Darauf aufbauend wird das Verfahren der Verzeichnisaufnahme von der Auftragsannahme über die Ermittlungen bis zur Niederlegung der verantworteten Urkunde i.S.d. § 37 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BeurkG Schritt für Schritt entwickelt.

Besonderes Augenmerk gilt der Frage, wie Sie als Notar Ihre Verantwortlichkeit eingrenzen können, indem Sie die vorgenommenen Ermittlungen in der Urkunde transparent offenlegen, sowie den Amtspflichten und Haftungsrisiken nach § 19 BNotO, insbesondere bei unzureichender Ermittlungstätigkeit (OLG Celle, 6 U 74/20).

Das Skript enthält praxisorientierte Checklisten und Muster für das gesamte Verfahren – von der Übernahme des Auftrags über die Ermittlungen bis zur Abrechnung und zur Gestaltung der eidesstattlichen Versicherung.


 Inhalt:

 I. Materiell-rechtliche Grundlagen

  • Auskunftsanspruch des Pflichtteilsberechtigten nach § 2314 Abs. 1 BGB – Anspruchsinhalt und Stellung des notariellen Nachlassverzeichnisses als Zeugnisurkunde
  • Pflichtteils- und pflichtteilsergänzungsrelevante Tatbestände: Schenkungen, gemeinschaftliche Konten, ehebedingte Zuwendungen, Lebensversicherungen – und ihre korrekte Aufnahme in das Verzeichnis

II. Amtspflichten des Notars – Maßstab und Grenzen

  • Eigenständige Ermittlungspflicht: Maßstab des „objektiven Dritten in der Lage des Gläubigers" (BGH IV ZR 193/19; BGH IV ZB 13/23)
  • Verfahrensfreiheit des Notars und deren Grenzen: Nutzung der Wissensressourcen des Erben, Aufforderung zur Durchsetzung eigener Auskunftsansprüche
  • Sichtung von Kontoauszügen, Bankanfragen, Registerauskünfte – was ist geschuldet, was ist „Ausforschung"?
  • Verbleibende Unklarheiten: Kein Ablehnungsgrund nach § 15 BNotO (BGH IV ZB 13/23)
  • Transparente Dokumentation: Offenlegung der Ermittlungen zur Eingrenzung der eigenen Verantwortlichkeit

III. Haftung des Notars nach § 19 BNotO

  • Haftungsauslösende Pflichtverletzungen: Unzureichende Ermittlungen, bloße Protokollierung der Erbenangaben
  • Praxisfall: Versäumte Bankkontenanfrage als haftungsbegründende Amtspflichtverletzung
  • Abgrenzung: Pflichten des Notars vs. Verantwortlichkeit des Erben für Vollständigkeit
  • Vertrauensschadensversicherung und Haftungsdeckung

IV. Verfahren und Zwangsmittel

  • „Druckmittel" des Pflichtteilsberechtigten: Zwangsgeld nach § 888 ZPO gegen den Erben – Anforderungen an den Erfüllungseinwand
  • Untätigkeitsbeschwerde nach § 15 Abs. 2 BNotO und Dienstaufsichtsbeschwerde
  • Zeitrahmen: Angemessene Erstellungsdauer (3–4 Monate, in Sonderfällen länger)

V. Eidesstattliche Versicherung

  • Umfang und Gegenstand nach Erstellung des notariellen Verzeichnisses (BGH IV ZR 189/20): Unbeschränkte Versicherung auch bei notarieller Erstellung geschuldet
  • Formulierung der Versicherungsformel: Ergänzungen und Berichtigungen des Erben

VI. Kosten des notariellen Nachlassverzeichnisses

  • Gebührenrecht: § 115 GNotKG, Nr. 23500 KV

 Das Seminar verbindet die aktuelle höchst- und obergerichtliche Rechtsprechung mit praxisnaher Anleitung. Für jede Phase der Verzeichnisaufnahme erhalten Sie systematische Checklisten und Formulierungshilfen, die eine effiziente, haftungssichere Arbeitsweise gewährleisten und sich unmittelbar in Ihren Kanzleialltag integrieren lassen.

 

Zielgruppe:

Das Seminar richtet sich an Notarinnen und Notare, Notarassessorinnen und Notarassessoren, (Anwalts-)Notarinnen und (Anwalts-)Notare sowie angehende Anwaltsnotarinnen und Anwaltsnotare.

Die Fortbildung entspricht den Vorgaben des § 5b Abs. 1 Nr. 4 BNotO; die Anerkennung obliegt der jeweils zuständigen Notarkammer und ist im Zweifelsfall vorab mit dieser abzustimmen.

Datum:  07.04.2027
Zeiten: 10:00–12:30 Uhr

Preis: 129,- € zzgl. MwSt.  inklusive Webinarskript und Zugriff auf die vollständige Videoaufzeichnung des Webinars (verfügbar für 3 Monate nach dem Webinar)


Ihr Referent:

Ulf Schönenberg-Wessel (*1982) ist Rechtsanwalt und Notar sowie Fachanwalt für Erbrecht und Sozialrecht in Kiel. Als Senior-Partner der Kanzlei SIEWERT, SCHÖNENBERG-WESSEL und Partner liegt der Schwerpunkt seiner Tätigkeit in der Vermögensnachfolgegestaltung sowie im Erb- und Pflichtteilsrecht.

Er ist Mitherausgeber der „ZErb – Zeitschrift für die Steuer- und Erbrechtspraxis", Mitglied des Herausgeberbeirats der Zeitschrift „notar" und Geschäftsführer der Norddeutschen Gesellschaft für Testamentsvollstreckung mbH. Sein Kommentar zur BNotO (Schönenberg-Wessel/Plottek/Sikora) wird in der aktuellen BGH-Rechtsprechung zum notariellen Nachlassverzeichnis herangezogen (BGH, Beschl. v. 19.6.2024 – IV ZB 13/23).

Ausgewählte Veröffentlichungen:

  • Schönenberg-Wessel, Das notarielle Nachlassverzeichnis, 2. Aufl. 2027 (C.H. Beck) – Grundlagenwerk zum Seminargegenstand
  • Schönenberg-Wessel/Plottek/Sikora, BNotO, 2. Auflage 2027 (Deutscher Notar Verlag)
  • Schönenberg-Wessel/Szalai/Uhl/Hahner, Der Überlassungsvertrag, 2. Aufl. 2025 (Deutscher Notar Verlag)
  • Schönenberg-Wessel, Behindertentestament 2.0 – Die stiftungsrechtliche Lösung, 1. Aufl. 2025 (Deutscher Notar Verlag)
  • J. von Staudingers Kommentar zum BGB: §§ 2371–2385 BGB (Erbschaftskauf)
  • Rißmann (Hrsg.), Die Erbengemeinschaft, u.a. Sozialrecht, 4. Aufl. 2024 (Zerb-Verlag)
  • Kurze, Vorsorgerecht, 2. Aufl. 2023: u.a. BeurkG, GmbHG (C.H. Beck)

 

Termin / Kursort

Online

Mi., 07.04.2027
Veranstaltungsinformation
Termin
Mi., 07.04.2027 10:00 bis 12:30 Uhr
Veranstaltungsort
Online
Referent
Ulf Schöneberg-Wessel
Preise
Normalpreis
129,00 € zzgl. USt.
Preis: 129,- € zzgl. MwSt. inklusive Webinarskript und Zugriff auf die vollständige Videoaufzeichnung des Webinars
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