Online-Seminar: Das Supervermächtnis in
der notariellen Gestaltungspraxis – Erbrechtliche Konstruktion, steuerliche
Grenzen und beurkundungssichere Formulierung
Das Supervermächtnis gehört zum
Standardinstrumentarium der notariellen Nachlassgestaltung. In Verbindung mit
der Einheitslösung des gemeinschaftlichen Testaments („Berliner
Testament") oder einer entsprechenden erbvertraglichen Gestaltung
ermöglicht es, die Abkömmlinge im ersten Erbfall flexibel am Nachlass zu
beteiligen und insbesondere die erbschaftsteuerlichen Freibeträge nach § 16
ErbStG effektiv auszuschöpfen – ohne den überlebenden Ehegatten in seiner
wirtschaftlichen Handlungsfreiheit zu beschränken.
Die Gestaltung weist eine Vielzahl
positiver Effekte auf: Pflichtteilsreduzierung, steuerliche Optimierung und
Flexibilität in der Nachlassverteilung. Sie birgt jedoch auch erhebliche
Gestaltungsrisiken, die in der Beurkundungspraxis sorgfältig adressiert werden
müssen: Die Abgrenzung zwischen Zweck-, Bestimmungs- und Wahlvermächtnis
bestimmt die dogmatische Konstruktion und damit die Wirksamkeit der Anordnung.
Die steuerliche Anerkennung steht unter dem Vorbehalt des § 42 AO (Missbrauch
rechtlicher Gestaltungsmöglichkeiten). Und die Person des
Bestimmungsberechtigten muss so gewählt werden, dass sowohl die erbrechtliche
Wirksamkeit (§§ 2065, 2151, 2156 BGB) als auch die steuerliche Anerkennung
gewährleistet sind.
Das Seminar entwickelt aus diesen
Spannungsfeldern einen aktuellen, praxistauglichen Gestaltungsvorschlag, den
Sie unmittelbar in Ihre Beurkundungstätigkeit übernehmen können.
Sie erhalten eine systematische
Darstellung der erbrechtlichen Konstruktionsmöglichkeiten des
Supervermächtnisses, ihrer jeweiligen Vor- und Nachteile sowie der steuerlichen
Grenzen. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung einer beurkundungssicheren
Musterformulierung, die sowohl den Anforderungen des Erbrechts (insbesondere
dem Bestimmtheitserfordernis und dem Verbot der Drittbestimmung nach § 2065
BGB) als auch den steuerlichen Vorgaben standhält.
Besonderes Augenmerk gilt den typischen
Fehlerquellen, die in der notariellen Praxis auftreten: unzureichende
Bestimmung des Vermächtnisgegenstandes, fehlende Absicherung gegen
Pflichtteilsansprüche der Abkömmlinge und steuerlich angreifbare Gestaltungen.
Inhalte:
I. Die Einheitslösung in Testament und
Erbvertrag
- Berliner Testament (§ 2269 BGB) und
erbvertragliche Parallele: Grundstruktur und notarielle Gestaltungspraxis
- Bindungswirkung und
Widerrufsmöglichkeiten: Konsequenzen für die spätere Vermächtnisanordnung
- Abgrenzung zur Trennungslösung
II. Risiken der Einheitslösung – und das
Supervermächtnis als Antwort
- Pflichtteilsrisiko: Pflichtteils- und
Pflichtteilsergänzungsansprüche der Abkömmlinge im ersten Erbfall –
Stundung (§ 2331a BGB) und Pflichtteilsklauseln als flankierende Maßnahmen
- Erbschaftsteuerrisiko:
Zusammenballung des Vermögens beim überlebenden Ehegatten, Verlust der
Freibeträge nach § 16 ErbStG im ersten Erbfall
- Sozialhilferisiko: Spätere
Sozialhilfebedürftigkeit des Längerlebenden – Zugriff des
Sozialleistungsträgers auf den Nachlass und Gestaltungsmöglichkeiten der
Absicherung
III. Das Supervermächtnis – erbrechtliche
Konstruktion
- Zweckvermächtnis (§ 2156 BGB):
Steueroptimierung als tauglicher Zweck, Bestimmtheitserfordernisse,
Grenzen
- Bestimmungsvermächtnis (§ 2151 BGB):
Auswahl unter mehreren Bedachten, Verhältnis zu § 2065 Abs. 2 BGB
- Wahlvermächtnis (§ 2154 BGB):
Wahlrecht hinsichtlich des Gegenstandes – Abgrenzung und
Kombinationsmöglichkeiten
- Person des Bestimmungsberechtigten:
Überlebender Ehegatte, Testamentsvollstrecker oder Dritter – erbrechtliche
Wirksamkeit und praktische Konsequenzen
- Verhältnis zum
Höchstbetragsvermächtnis und zur Quotenbestimmung
IV. Das Supervermächtnis – steuerliche
Grundlagen und Grenzen
- Erbschaftsteuerliche Behandlung:
Abzugsfähigkeit als Nachlassverbindlichkeit (§ 10 Abs. 5 Nr. 2 ErbStG),
Zeitpunkt der Entstehung
- § 42 AO – Missbrauch von
Gestaltungsmöglichkeiten: Aktuelle Verwaltungsauffassung und
Rechtsprechung, „rote Linien" der steuerlichen Anerkennung
V. Das Supervermächtnis –
Gestaltungsvorschlag für die Beurkundungspraxis
- Vollständige Musterformulierung mit
Erläuterungen
- Integration in das gemeinschaftliche
Testament und den Erbvertrag
- Flankierende Gestaltungen:
Pflichtteilsklausel, Testamentsvollstreckung, Anrechnungsbestimmungen
Das Seminar verbindet die dogmatische
Analyse der verschiedenen Vermächtniskonstruktionen mit deren steuerlicher
Bewertung und mündet in einen konkreten, sofort einsetzbaren
Gestaltungsvorschlag für die notarielle Praxis. Typische Beurkundungsfehler
werden anhand von Praxisfällen identifiziert und Lösungsstrategien aufgezeigt.
Zielgruppe:
Das Seminar richtet sich an Notarinnen und
Notare sowie Absolventinnen und Absolventen der notariellen Fachprüfung, die
ihre Gestaltungskompetenz im Bereich der steueroptimierten Nachlassplanung
vertiefen möchten.
Termin1:
Datum: 16.03.2027
Zeiten: 10:00–12:30 Uhr
Termin2:
Datum: 14.09.2027
Zeiten: 10:00–12:30 Uhr
Preis: 129,- € zzgl.
MwSt. inklusive Webinarskript und Zugriff
auf die vollständige Videoaufzeichnung des Webinars (verfügbar für 3
Monate nach dem Webinar)
Ihr Referent
Ulf Schönenberg-Wessel (*1982) ist Rechtsanwalt und Notar mit Amtssitz in Kiel sowie Fachanwalt für Erbrecht und Sozialrecht. Als Senior-Partner der Kanzlei SIEWERT, SCHÖNENBERG-WESSEL und Partner () ist er schwerpunktmäßig in der Vermögensnachfolgegestaltung sowie im Erb- und Pflichtteilsrecht tätig, einschließlich der Gestaltung zu Gunsten von Menschen mit Behinderung.
Er ist Mitherausgeber der „ZErb – Zeitschrift für die Steuer- und Erbrechtspraxis“ sowie Mitglied des Herausgeberbeirats der Zeitschrift „notar“ und Geschäftsführer der Norddeutschen Gesellschaft für Testamentsvollstreckung mbH ().
Er ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen, u.a.:
- Schönenberg-Wessel/Szalai/Uhl/Hahner, Der Überlassungsvertrag, 2. Aufl. 2025 (Deutscher Notarverlag)
- Schönenberg-Wessel, Das notarielle Nachlassverzeichnis, 2. Aufl. 2027 (C.H. Beck)
- Schönenberg-Wessel, Behindertentestament 2.0 – Die stiftungsrechtliche Lösung, 1. Aufl. 2025 (Deutscher Notarverlag)
- J. von Staudingers Kommentar zum BGB: §§ 2371–2385 BGB (Erbschaftskauf)
- Rißmann (Hrsg.), Die Erbengemeinschaft, u.a. Sozialrecht, 4. Aufl. 2024 (zerb verlag)
- Kurze, Vorsorgerecht, 2. Aufl. 2023: u.a. BeurkG, GmbHG (C.H. Beck)
- Uricher (Hrsg.), Erbrecht, 5. Aufl. 2022: u.a. Nachlassinsolvenz (Nomos)