Online-Seminar: Update zur Testamentsgestaltung – Grundlagen, aktuelle Rechtsprechung und Formulierungspraxis
Die Gestaltung der Vermögensnachfolge von Todes wegen gehört zu den Kernaufgaben des Notariats – und ist zugleich eines der Rechtsgebiete mit der höchsten Dynamik in Rechtsprechung und Literatur. Der BGH konkretisiert in regelmäßiger Folge die Anforderungen an die Bestimmtheit testamentarischer Anordnungen, die Reichweite der Bindungswirkung bei gemeinschaftlichen Testamenten und die Grenzen der Gestaltungsfreiheit. Zugleich stellen sich in der Beurkundungspraxis immer wieder neue Fragen: Wie formuliert man ein Supervermächtnis, das sowohl erbrechtlich wirksam als auch steuerlich anerkennungsfähig ist? Wie gestaltet man Vor- und Nacherbfolge so, dass der Vorerbe handlungsfähig bleibt, ohne die Substanz des Nachlasses zu gefährden? Welche Pflichtteilsklauseln halten der aktuellen Rechtsprechung stand – und welche sind durch neuere Entscheidungen in Frage gestellt?
Das Seminar bietet einen kompakten und aktuellen Überblick über die wesentlichen Gestaltungsinstrumente der Testamentsgestaltung und deren Fortentwicklung durch die neuere Rechtsprechung. Für jedes Gestaltungsinstrument werden konkrete Formulierungsvorschläge entwickelt, die Sie unmittelbar in Ihre Beurkundungspraxis übernehmen können.
Sie erhalten ein strukturiertes Update zu den wichtigsten Entwicklungen im Bereich der Testamentsgestaltung: Ausgehend von der jeweiligen dogmatischen Grundlage werden die aktuellen Entscheidungen und Diskussionen in der Literatur dargestellt und in sofort einsetzbare Formulierungsvorschläge überführt. Das Seminar ist dabei bewusst als Grundlagenseminar mit Aktualisierungsfokus konzipiert – es richtet sich an Kolleginnen und Kollegen, die ihre vorhandene Gestaltungspraxis auf den aktuellen Stand bringen und typische Fehlerquellen identifizieren möchten.
Inhalte:
I. Grundlagen der Testamentsgestaltung
- Willensermittlung und Belehrungspflicht des Notars (§ 17 BeurkG): Anforderungen an die Sachverhaltsaufklärung und Gestaltungsberatung
- Formfragen: Gemeinschaftliches Testament (§ 2267 BGB), notarielles Testament (§ 2232 BGB), Erbvertrag (§ 2276 BGB) – Wahl der richtigen Form
- Bindungswirkung und Widerrufsmöglichkeiten: Abgrenzung einseitig widerruflicher und wechselbezüglicher Verfügungen (§ 2270 BGB)
II. Erbeinsetzung
- Bestimmtheitsanforderungen bei der Erbeinsetzung: Quote, Gegenstand, Personenbezeichnung
- Ergänzende Auslegungsregeln (§§ 2066 ff. BGB) und deren Ausschluss in der Gestaltung
- Ersatzerbenbestimmung: Formulierungsalternativen und Rangfolgemodelle
- Aktuelle Rechtsprechung zur Auslegung von Erbeinsetzungen bei Vermögensverschiebungen zwischen Testamentserrichtung und Erbfall
III. Vor- und Nacherbfolge
- Gestaltungsziele und typische Anwendungsfälle: Patchwork-Familie, Behindertentestament, Unternehmensnachfolge
- Befreiung des Vorerben (§ 2136 BGB): Reichweite und Grenzen, Teilbefreiung
- Surrogationsproblematik und Absicherung des Nacherben
- Aktuelle Formulierungsvorschläge unter Berücksichtigung der neueren Rechtsprechung zum Umfang der Verfügungsbeschränkung (§ 2113 BGB)
- Grundbuchrechtliche Umsetzung: Nacherbenvermerk (§ 51 GBO), Löschung bei Nacherbfall
IV. Vermächtnis – insbesondere Supervermächtnis
- Grundlagen des Vermächtnisrechts: Stück-, Gattungs-, Wahl- und Zweckvermächtnis
- Supervermächtnis in der Einheitslösung: Erbrechtliche Konstruktion (§§ 2151, 2153, 2156 BGB), steuerliche Grenzen (§ 42 AO), aktuelle Formulierungspraxis
- Vorausvermächtnis (§ 2150 BGB) und dessen Einsatz bei Nachlassimmobilien
- Fälligkeitsregelungen und Stundungsanordnungen
V. Teilungsanordnungen
- Abgrenzung zur Erbeinsetzung mit Sachzuwendung und zum Vorausvermächtnis
- Ausgleichspflichten und Wertkompensation (§ 2048 BGB)
- Praktische Gestaltung: Zuweisung von Immobilien, Unternehmensbeteiligungen, Kontoguthaben
- Formulierungsfallen und deren Vermeidung
VI. Testamentsvollstreckung
- Anordnung und Gestaltung: Abwicklungsvollstreckung, Dauervollstreckung, Vermächtnisvollstreckung
- Auswahl und Bestimmung des Testamentsvollstreckers: Benennungsrecht Dritter (§ 2198 BGB), Ersatzregelungen
- Vergütung des Testamentsvollstreckers: Empfehlungen des DNotV, individuelle Vergütungsregelungen
- Aktuelle Rechtsprechung zu den Grenzen der Testamentsvollstreckung
VII. Pflichtteilsklauseln und Regelungen zur Pflichtteilslast
- Pflichtteilsstrafklauseln im gemeinschaftlichen Testament: Klassische Formulierungen, Jastrow'sche Klausel,
- Aktuelle Rechtsprechung zur Auslegung und Reichweite von Pflichtteilsklauseln (Geltendmachung „dem Grunde nach", Teilforderung)
- Pflichtteilslast: Verteilung unter mehreren Erben (§ 2318 BGB), testamentarische Abweichungen
- Pflichtteilsbeschränkung in guter Absicht (§ 2338 BGB): Voraussetzungen und Gestaltung
VIII. Änderungsvorbehalte
- Einseitige Änderungsmöglichkeiten im gemeinschaftlichen Testament: Öffnungsklauseln und ihre Wirksamkeit
- Abgrenzung: Wechselbezügliche vs. nicht wechselbezügliche Verfügungen – Formulierungstechnik zur Klarstellung
- Änderungsvorbehalte im Erbvertrag: Gestaltungsspielräume (§ 2278 BGB) und deren Grenzen
- Aktuelle Formulierungsvorschläge für praxistaugliche Öffnungsklauseln
Das Seminar verbindet die systematische Darstellung der Gestaltungsinstrumente mit einem konsequenten Rechtsprechungsupdate: Für jedes Themenfeld werden die aktuellen Leitentscheidungen vorgestellt und deren Auswirkungen auf die notarielle Formulierungspraxis herausgearbeitet. Sie erhalten ein Skript mit vollständigen Formulierungsvorschlägen, die Sie unmittelbar in Ihre Beurkundungstätigkeit übernehmen können.
Zielgruppe:
Das Seminar richtet sich an Notarinnen und Notare, Notarassessorinnen und Notarassessoren, (Anwalts-)Notarinnen und (Anwalts-)Notare sowie angehende Anwaltsnotarinnen und Anwaltsnotare.
Die Fortbildung entspricht den Vorgaben des § 5b Abs. 1 Nr. 4 BNotO; die Anerkennung obliegt der jeweils zuständigen Notarkammer und ist im Zweifelsfall vorab mit dieser abzustimmen.
Datum: 21.04.2027
Zeiten: 10:00–12:30 Uhr
Preis: 129,- € zzgl. MwSt. inklusive Webinarskript und Zugriff auf die vollständige Videoaufzeichnung des Webinars (verfügbar für 3 Monate nach dem Webinar)
Ihr Referent
Ulf Schönenberg-Wessel (*1982) ist Rechtsanwalt und Notar sowie Fachanwalt für Erbrecht und Sozialrecht in Kiel. Als Senior-Partner der Kanzlei SIEWERT, SCHÖNENBERG-WESSEL und Partner liegt der Schwerpunkt seiner Tätigkeit in der Vermögensnachfolgegestaltung sowie im Erb- und Pflichtteilsrecht. Die Gestaltung letztwilliger Verfügungen – vom klassischen Berliner Testament über komplexe Vor- und Nacherbfolge-Anordnungen bis hin zur stiftungsrechtlichen Lösung im Behindertentestament – gehört zu seinem täglichen Tätigkeitsfeld.
Er ist Mitherausgeber der „ZErb – Zeitschrift für die Steuer- und Erbrechtspraxis", Mitglied des Herausgeberbeirats der Zeitschrift „notar" und Geschäftsführer der Norddeutschen Gesellschaft für Testamentsvollstreckung mbH.
Ausgewählte Veröffentlichungen:
- Schönenberg-Wessel, Behindertentestament 2.0 – Die stiftungsrechtliche Lösung, 1. Aufl. 2025 (Deutscher Notar Verlag)
- Schönenberg-Wessel/Szalai/Uhl/Hahner, Der Überlassungsvertrag, 2. Aufl. 2025 (Deutscher Notar Verlag)
- Schönenberg-Wessel, Das notarielle Nachlassverzeichnis, 2. Aufl. 2027 (C.H. Beck)
- J. von Staudingers Kommentar zum BGB: §§ 2371–2385 BGB (Erbschaftskauf)
- Rißmann (Hrsg.), Die Erbengemeinschaft, u.a. Sozialrecht, 4. Aufl. 2024 (Zerb-Verlag)
- Kurze, Vorsorgerecht, 2. Aufl. 2023: u.a. BeurkG, GmbHG (C.H. Beck)
- Uricher (Hrsg.), Erbrecht, 5. Aufl. 2022: u.a. Nachlassinsolvenz (Nomos)